Die Wirklichkeit der Metapher, 5.-7. Mai 2005 Heidelberg

Gregory-Bateson-Preis des Heidelberger Insituts
für systemische Forschung 2002

Das Heidelberger Institut für systemische Forschung verleiht in diesem Jahr erstmals den mit 10.000 Euro dotierten Gregory-Bateson-Preis für besondere Verdienste um die systemische Erforschung von Humansystemen.

Diesjähriger Preisträger ist Prof. Dr. Heinz von Foerster (*1911), Pescadero/USA.
Die Preisverleihung wird am 1. Mai 2002 in Heidelberg mit einem Festakt in der Stadthalle Heidelberg (im Rahmen des Kongresses Eine Rose ist eine Rose.... Zur Rolle und Funktion von Metaphern in Wissenschaft, Therapie und Beratung) begangen werden. Frau Prof. Dr. Floyd (Hamburg) wird die Laudatio halten.

Heinz von Foerster konnte den Preis aus Gesundheitsgründen nicht selbst entgegennehmen. Heinz von Foerster verstarb am 2. Oktober 2002 in seinem Haus in Pescadero, Kalifornien.

Prof. Dr. Heinz von FoersterHeinz von Foerster (Biophysiker) hat neben seinen einflussreichen Beiträgen (wie etwa seinem bahnbrechenden Aufsatz „On Self-organizing Systems and Their Environments“ von 1960) zur Erforschung der Prinzipien der Selbstorganisation die Kybernetik 2. Ordnung begründet. Damit hat er die Beobachtung der Beobachtung („observing systems“), die unhintergehbare Selbstreferenz erkennender Subjekte als conditio sine qua non der Wissenschaften, insbesondere die Kybernetik, wieder „entdeckt“. Der Beobachter, der vom Wahrnehmen zum Wissen strebt, sieht nicht, was er nicht sieht, er sieht nicht, daß er im Schatten des Lichtes steht, den er im Akt des Erkennens selbst geworfen hat.
Diese grundlegende Einsicht hat Heinz von Foerster in unnachahmlicher Weise, nämlich ebenso klar wie scharf begründet und formuliert. Damit hat er den exkommunizierten Beobachter auf dem blinden Fleck der objektivistischen Kybernetik wahrgenommen und in der Wende zur Kybernetik 2. Ordnung wieder eingeführt.

Von hier hat Heinz von Foerster (neben Ernst von Glasersfeld) den neueren Konstruktivismus mitbegründet: Wirklichkeit kommt über die Operation des Beobachtens und die Unterscheidungen des Beobachters zustande und da ist der Beobachter trotz seiner Abwesenheit immer anwesend.
Von 1957 bis 1976 hatte Heinz von Foerster als Leiter des „Biological Computer Laboratory“ (BCL) der Universität Illinois eine katalytische Funktion bei der Zusammenführung, Reflexion und Synthese von zunächst heterogenen Ideen unterschiedlicher Persönlichkeiten und Wissenschaftler (wie Ross Ashby, Gotthard Günther, Gordon Pask, Lars Löfgren und Humberto Maturana, Fancisco Varela), die am BCL arbeiteten und forschten.
Hier war ein „think tank“ entstanden, von dem in den sechziger und siebziger Jahren die einflußreichsten Impulse der neueren Kybernetik ausgingen.

Hauptpunkte und Forschungsfragen in den Arbeiten Heinz von Foersters sind:

  • Erkenntnistheorie aus der Sicht des Kybernetikers.
  • Prinzipien der Selbstorganisation
  • Kommunikation, Gedächtnis und Verstehen.

Das all diese Themen verbindende Mittelglied, gelegentlich nur in leisen Tönen, ist die Ethik, die sich für Heinz von Foerster auch in selbstreferentem Gewande präsentiert, nämlich immer als Frage nach der eigenen Verantwortung: Was soll, was darf ich tun?
Von Foersters Antwort ist hier: Ich soll! Damit steht er zwar in völligem Gegensatz zu etablierten Ethiken, die den Imperativ formulieren: Du sollst...!
Dafür aber ist er als Wissenschaftler und als Person in einer Weise bei sich, wie es nur wenigen Menschen gelingt. In all seinen wissenschaftlichen und persönlichen Äußerungen hat er nie einen Zweifel daran gelassen, dass auch der Wissenschaftler nur unter dem Neigungswinkel seiner eigenen Subjektivität sprechen kann. Diese Subjektivität ist für den Wissenschaftler Heinz von Foerster kein Prokrustesbett, das ihm den Weg zur Wahrheit verhindert, sondern die Voraussetzung existenziellen zu-sich-selber-kommens: „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“ (So ein Buch von ihm, 1998). Auch das macht ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts.

Gregory BatesonDer Anthropologe Gregory Bateson (1904-1980) - Ehemann von Margret Mead - spielte in der Entwicklung der Kybernetik eine entscheidende Rolle. Er war es, der bahnbrechende systemtheoretische und kybernetische Denkansätze in die Sozial- und Humanwissenschaften einführte und damit zum genialen Begründer der systemischen Therapie wurde. Sein wissenschaftliches Werk ist einzigartig und bietet eine Quelle vieler Einsichten in das Funktionieren menschlicher Systeme.



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